USA 2019 Tag 16 von Kokomo nach Rochester

Für heute ist, verglichen mit den bisherigen Tagen, nur ein “kurzer Hüpfer” geplant. Von Kokomo soll es nach Rochester gehen, das sind knapp 78 Kilometer. Um nicht zu früh anzukommen, mache ich am Morgen recht langsam. Bis alles fertig gepackt ist und ich mich auf den Weg mache, ist schon zehn Uhr vorbei.

Der Tag beginnt heute ganz anders als der gestrige Tag. Von Gestern bleibt mir hauptsächlich der schrecklich lange Teil auf dem Highway im Kopf. Heute starte ich direkt hinter dem Hotel auf einen eigenen Trail. Wieder eine ehemalige Bahnlinie, die zum Fahrradweg umgebaut wurde und direkt hier in Kokomo an dem vierspurigen Highway beginnt. Es handelt sich um dem Industrial Heritage Trail. Kokomo war früher sehr stark industriell geprägt und die Fabriken und Betriebe waren an das Bahnnetz angeschlossen. Also geht es von einem ehemaligen Betrieb zum nächsten, immer mit erklärenden Hinweisschildern. So durchquere ich ganz Kokomo.

Dabei erblicke ich nahe dem Zentrum vom Trail aus eine Bäckerei in einer Parallelstrasse und da es im Hotel kein Frühstück gabe (besser keins als ein schlechtes), bin ich rasch abgebogen und habe mich dort mit einem Schoko-Croissant, Mini-Donuts und Orangensaft bewaffnet. Leider hatten sie keine Sandwiches, nur süsses Zeugs, aber das ist besser als nichts und war auch eine gute Entscheidung, da ich auf dem weiteren Wegs keine andere Möglichkeit mehr zum Einkaufen hatte.

Für eine Pause war es aber noch zu früh, so fuhr ich erst noch eine Weile auf dem Trail weiter. Am Stadtrand von Kokomo bekommt der Trail einen neuen Namen: Nickel Plate Trail. Sonst ändert sich nichts. Sehr gut hergerichtet, durchgehend asphaltiert und auf beiden Seiten von Bäumen gesäumt. Das kommt mir heute zu Gute, denn der Wind nimmt wieder zu und wird so recht gut vom Trail abgehalten.

Für meine Pause kam eine schattige Bank direkt am Trail wie gerufen. Nachdem ich das Schoko-Croissant und die Hälfte vom Orangensaft getrunken habe, musste ich die Flucht ergreifen, denn dann wurde die Mücken auf mich aufmerksam. Anscheinend hatte ich Glück und bin wohl ohne neuen Stich davon gekommen. Einige Kilometer weiter gab es dann eine weitere Bank, diesmal bewusst in der Sonne. Dort sollte es weniger Mücken geben, so meine Theorie. Da habe ich mir dann die Mini-Donuts und den Rest vom Orangensaft einverleibt. Mittlerweile war es schon Mittagszeit. Ein gesondertes Mittagessen brauchte ich nun nicht mehr, also fuhr ich einfach immer weiter.

Ab und zu habe ich einen kurzen Stopp gemacht um ein Foto zu machen oder etwas mehr oder weniger sinnvolles in meine GoPro zu quatschen. Oder auch um etwas zu trinken. Die neue Flasche ist super, selbst Stunden später ist der Inhalt noch kalt. Nach 35 Kilometern auf dem Nickel Plate Trail endet dieser am Stadtrand von Peru. Ja, die Stadt heisst wirklich so! Sie liegt nicht in den Anden, sondern in Indiana. Die Stadt muss ich auf Strassen durchqueren, das war allerdings sowohl einfach wie angenehm, denn es ging gute fünf Kilometer über selten befahrene Strassen durch Wohngebiete.

Auf der anderen Seite von Peru geht der Nickel Plate Trail dann weiter. Genauso, wie er aufgehört hat, in erstklassigem Zustand asphaltiert, mit hergerichteten ehemaligen Bahnbrücken und von Bäumen umgeben. So merke ich nicht wirklich, dass es mittlerweile knapp 30 °C hat. Der Schatten auf dem Trail ist sehr angenehm und es rollt sehr gut. Das Einzige, was etwas nervig ist, ist die Länge. Abgesehen von den Kurven kann man oft kilometerweit schauen und dann hat man das Gefühl, auf der Stelle zu treten und nicht voran zu kommen. Aber das ist Jammern auf hohem Niveau. Verglichen mit gestern ist die Route heute absolut traumhaft!

Am Stadtrand von Rochester endet der Trail und ich muss noch etwa zwei Kilometer durch die Stadt zu meinem Hotel. Die waren absolut kein Problem. Heute war ich so früh im Hotel, dass ich noch eine halbe Stunde warten musste da mein Zimmer noch nicht parat war. Ich habe mich einfach draussen hingesessen und den Tag genossen. Von den 77.7 Kilometern, die ich heute insgesamt gefarhen bin, waren ziemlich genau 70 Kilometer auf dem Trail. Ein toller Weg, auf dem es sich sehr gut und vor allem auch sicher fahren liess. Solche Strecken gefallen mir. Für Morgen steht hauptsächlich Strasse auf dem Programm, das weiss ich schon heute. Hoffentlich ruhige Strassen und keine Highways.

Jetzt werde ich noch lecker essen gehen. Dafür habe ich mir Taco Bell ausgesucht. Gesünder als McDonalds und es liegt direkt auf der anderen Strassenseite. Vor ein paar Tagen war ich schon mal zum Mittag in einem Taco Bell und es hat mir recht gut gefallen. Also warum in die Ferne schweifen? Auf gehts!

🕑 Ø
3:43 77.7 km 21.0 km/h 670 m 710 m

Dein
Marcus

Geschrieben am August 29, 2019