USA 2019 Tag 14 — Ruhetag in Indianapolis

Heute habe ich sehr lange geschlafen. Als ich wach wurde, habe ich mich nochmals umgedreht. Heute ist ein Ruhetag. Das nehme ich am Vormittag wörtlich. Es fühlt sich auch so an, als ob mein Körper das braucht. Das kann ich verstehen, ich habe ihm in den vergangenen zwei Wochen schon viel zugemutet. Und dies ist erst der Anfang!

Als ich dann endlich aufstehe, kümmere ich mich zuerst um die Feinplanung der folgenden Etappen bis Chicago. Ich kontrolliere nochmals meine Routenführung und mache kleine Anpassungen. Dann lade ich die Daten auf mein Garmin Navigationsgerät, so dass es auch ohne Internetverbindung losgehen kann. Als Backup nutze ich noch die Offlinefähigkeit von der Komoot App auf meinem iPhone. So ist planungsmässig alles getan und ich mache mich auf, das Haus zu verlassen.

Draussen ist es wieder brüllend heiss. Zuerst gehe ich etwas in der Nachbarschaft spazieren und schaue, ob ich ein Restaurant finde. Es ist bereits früher Nachmittag und ich hatte weder Frühstück noch Mittag. Ich finde zwar etwas, aber das sieht nicht sehr einladend aus. In der Ferne kann ich die Hochhäuser des Zentrums sehen. Ich beschliesse, dortlin zu laufen. Schliesslich habe ich Zeit.

Unterwegs komme ich alle paar Meter an irgendwelchen E-Tretrollern vorbei. Von verschiedenen Firmen. Die haben also auch Indianapolis geflutet. Ich werde schwach und schaue auf meinem Handy im Internet nach, was ich machen muss, um damit ins Zentrum zu fahren. Dort finde ich auch die Preisangaben. Die Preise schrecken mich jedoch ab, ich finde das ehrlich gesagt zu teuer. Also weiter laufen. Für die Amis scheint das nicht zu teuer zu sein. Ich denke mir, wer Angst hat vorm Laufen, der zahlt auch mehr fürs Fahren.

Die Richtung ist einfach zu bestimmen, da brauche ich keinen Stadtplan. So lange die Wolkenkratzer direkt vor mir sind, bin ich auf dem richtigen Weg. Wie lange ich gebraucht habe, kann ich nicht genau sagen. Aber besonders lange war es nicht. Dann bin ich schon im Zentrum und schaue mich rund um das Soldiers and Sailors Monument um. Das markiert das Zentrum des Zentrums.

Mein Hunger ist nicht von alleine verschwunden, also schaue ich hauptsächlich nach Restaurants. Als ich bei Buca di Beppo vorbei komme, einem italienischen Restaurant, bekomme ich Appetit auf Spaghetti Bolognese. Im Aushang steht etwas von der Spezialität des Hauses, Spaghetti mit Fleischklösschen. Montags für die Hälfte. Leider ist heute Dienstag. Aber ich habe Hunger, also gehe ich rein. Der Laden ist innen grösser, als er von aussen ausschaut. Mir wird ein Platz zugewiesen und ich versinke so tief im extrem weichen Sitzpolster der Bank, dass ich aufpassen muss, mir mein Kinn nicht an der Tischplatte zu stossen.

Als meine Spaghetti mit Fleischklösschen kommen, fallen mir fast die Augen aus: Die Portion ist so gross, da bekommt man eine ganze Reisegruppe satt! Es hat nur einen Fleischklops dabei. Aber der ist riesig, mindestens ein halbes Pfund. Dazu noch tonnenweise Spaghetti. Die Spaghetti, die Sosse und der Fleischklops hauen mich geschmacklich nicht vom Hocker, die sind eher durchschnittlich. Bei einem echten Italiener hätte ich etwas mehr Pfiff erwartet. Aber es war okay. Nach gerade mal der Hälfte der Portion muss ich passen, ich bin pappsatt.

Danach laufe ich weiter um die Häuser und in einem CVS gehe ich einkaufen. Wasser für meine morgige Etappe und Cliff Bars in hoher Zahl, die reichen sicher einige Wochen und sind meine bevorzugte Art von “Powerfood”, wenn ich unterwegs schnell Energie benötige. Für mein Abendessen kaufe ich gleich mit ein. Das besteht nur aus Getränken. Der Meatball reicht mindestens bis morgen, wenn nicht länger.

In Google Maps finde ich noch einen Fahrradladen in der Nähe. Ich möchte die Gelegenheit einer grossen Stadt mit mehreren Fahrradläden nutzen, um meinen Vorrat an Sitzcreme aufzufüllen, bevor diese mir ausgeht und ich dann keinen Laden in der Nähe habe. Fahrradläden, insbesondere gute, sind hier rar und als Reiseradler muss man daher jede Gelegenheit nutzen. Bei Bike Indianapolis werde ich rasch fündig. Kleine oder grosse Tube? Was für eine Frage!

Dann lasse ich mich auf ein Experiment ein. Ich möchte zurück zu meinem Airbnb aber nicht mehr laufen. Also nutze ich zum ersten Mal in meinem Leben Uber. Einen Account hatte ich schon, aber nun will die App bei der ersten echten Nutzung von mir noch weitere Angaben zur Verifizierung haben. Einen Ausweis soll ich fotografieren, um meine Identität zu bestätigen. Ich habe hier nur meinen Führerschein dabei, mein Reisepass ist im Gepäck im Airbnb. Aber es klappt, nur ein oder zwei Minuten später kann ich meine erste Uber Fahrt buchen. Nein, Autokorrektur, ich meine nicht Überfahrt. Die habe ich bereits hinter mir. Ich meine wirklich Uber Fahrt.

Es klappt auch alles super und ziemlich schnell bin ich wieder in meinem Airbnb. Mein Wasser stelle ich für morgen in den Kühlschrank und dann ziehe mich zur Erholung meiner müden Knochen zurück. Für heute habe ich genug erlebt, schliesslich handelt es sich immer noch um einen Ruhetag.

Dein
Marcus

Geschrieben am August 27, 2019