USA 2019 Tag 11 von Columbus nach Xenia

Bevor ich heute Columbus in Richtung Xenia verlasse, habe ich einen Besuch bei einem Fahrradladen geplant. Da der erst um 10 Uhr öffnet, fahre ich ganz entspannt um kurz vor zehn am Motel los. Es wird ein sehr sonniger Tag werden und mit über 100 km habe ich mir einiges vorgenommen. Erst recht, wenn ich bedenke, dass ich keine Ahnung habe, wie lange die Reparatur meines Freilaufs dauern wird. Oder ob es überhaupt heute gemacht werden kann. Aber ich denke positiv und unter lautem Knacken und Knarzen erreiche ich nach nur 10 Minuten das Fahrradgeschäft. Jetzt wird es ernst. Können sie mir weiterhelfen?

Zuerst war ich etwas irritiert, denn am Eingang stand ein Schild, dass der Laden geschlossen wird. Aber ich hatte Glück, es war einer der letzten Tage, an denen er geöffnet hatte. Es handelt sich um den Laden BikeSource. Die haben in Columbus zwei Läden und legen diese zusammen. Der Laden selbst sah daher schon sehr leer aus, wie geplündert, aber in der Werkstatt wurde mir sofort weitergeholfen. Nach einer kurzen Probefahrt, um das Geräusch zu hören, hat der Mechaniker den Freilauf ausgebaut.

Die Funktion war definitiv beeinträchtigt. Obwohl erst etwas über ein Jahr alt, war das Schmiermittel fest geworden. Wahrscheinlich durch die hohe Belastung (bisher über 12’000 km Laufleistung) und die grossen Temperaturunterschiede, da ich sowohl bei Eiseskälte wie auch Wüstenhitze fahre. Da er keine mechanischen Beschädigungen feststellen konnte, hat er es sehr gründlich gereinigt, neu geschmiert und wieder eingebaut. Danach waren alle Geräusche und auch das Schlagen der Kette weg! Mir ist ein Stein vom Herzen gefallen, dass ich kein neuen Freilaufkörper kaufen muss. Der hätte unter Umständen sogar erst bestellt werden müssen denn das ist etwas, was nicht jeder auf Lager hat. Nach einer Luftdruckkontrolle konnte ich überglücklich meine Reise fortsetzen und nun wirklich in den Tag starten!

Aus der Stadt heraus war es so traumhaft, wie gestern hinein. Wenige Minuten nach meiner Abfahrt vom Fahrradladen war ich wieder auf dem separaten Trail entlang des Olentangy River. Auf diesem bin ich bis Downtown Columbus gefahren ohne zu merken, dass ich Downtown war. Dort ging es dann auf dem Scioto Trail am Scioto River entlang weiter. Als ich gerade meine morgendliche Ansprache in meine GoPro gesprochen habe, fährt ein Park Ranger auf einem Fahrrad grüssend an mir vorbei. Als ich ihn kurz darauf nochmals wiedergesehen habe, hat er sich noch entschuldigt, mir in meine Aufnahme geredet zu haben. Ich fand es cool.

Der Ranger folgte weiter dem Scioto Trail Richtung Norden, ich bin auf den Camp Chase Trail Richtung Südwesten gewechselt, der hier direkt an der Bahnlinie entlang führt. Schon war ich wieder aus Columbus heraus. Rein in die Stadt, durch die Stadt, raus aus der Stadt nur auf Bike-Trails. Traumhaft! Und, wie ich sehen konnte, gerne und gut genutzt. Von Amerikanern auf Fahrrädern, beim Joggen und sogar zu Fuss. So kann es weiter gehen! Geht es auch. Eine ganze Zeit lang. Bei einer kreuzenden Strasse ändert sich der Name des Trail, ab hier heisst er Roberts Pass Trail. Es geht schon die letzten 25 km leicht bergauf. So leicht, dass ich es nicht bemerke. Etwa 150 Höhenmeter auf 55 Kilometer verteilt. Einfach super!

Die Temperaturen kratzen an der 30 Grad Marke und das Fahren wird anstrengend, da der Trail kurz vor London durch ein Sumpfgebiet führt und die Luftfeuchtigkeit hier immens hoch ist. Aber es ist schön anzusehen, die Natur ist atemberaubend. Am Rand von London endet der Roberts Pass Trail. Die Kleinstadt ist rasch und problemlos passiert, dann geht es auf einem anderemTrail weiter, dem Prairie Grass Trail. Heute ist Trail Tag!

Ich passiere das nächste Örtchen, South Charleston. Danach geht es auf dem Prairie Grass Trail weiter. Es waren ganz genau 75 Kilometer, als ich einem Grundstück voller alter Traktoren vorbei kam, die präsentativ am Strassenrand aufgereiht waren. Ich halte nur ganz kurz für ein schnelles Foto. Nach den wenigen Sekunden schiesst mir der Schweiss aus allen Poren, dass ich Panik bekomme, gleich zu Staub zu verfallen. So lasse ich weitere Betrachtungen sein und fahre rasch auf dem tollen Trail weiter, um wieder den leicht kühlenden Fahrtwind spüren zu können. Es sind zwar nur 30 °C, allerdings mit einer wahnsinnig hohen Luftfeuchtigkeit.

Der Trail führt an Cedarville vorbei und bis ins Zentrum von Xenia. Vom Zentrum aus folge ich noch für ein paar Minuten dem Creekside Trail und muss dann quasi nur über die Strasse zu meinem Motel. Das war dieses mal nicht leicht zu finden. An der Ecke hat es ein paar Motels und es liegt nicht nur etwas versteckt, sondern das Hinweisschild ist auch kaum zu erkennen. Ich musste noch das Internet zur Hilfe nehmen und habe dann nach zehn Minuten hin und her endlich mein Motel für diese Nacht gefunden.

Es war das Xenia Country Inn. Mein Tipp: Meiden! Ziemlich herunter gekommen, alles uralt, das Inventar verdreckt. Ich habe mir meinen Schlafsack, den ich für Notfälle dabei hatte, aufs Bett gelegt und darin geschlafen. Wechseln wollte ich das Motel nicht mehr denn erstens war ich froh, angekommen zu sein und hatte keine Lust mehr, weiter zu fahren und zweitens war es sowieso nur zum Schlafen für eine Nacht. Immerhin konnte ich aus meinem Fenster hautnah beobachten, wie aus anderen Motelzimmern heraus offen gedealt wurde. Das hatte ich so auch noch nicht. Ich hefte das in der Kategorie “gesehen haben aber nicht wieder sehen müssen” ab.

🕑 Ø
4:46 104 km 21.9 km/h 620 m 570 m

Dein
Marcus

Geschrieben am August 24, 2019